Immer noch pfeift
der Wind mit 7Bf ganz schön kräftig. Ich hole mein Mikrofon heraus
und nehme das Amelander-Riff auf. Seit langem habe ich kein Lied mehr
gemacht, dieses kleine Riff gefällt mir seit langem mal wieder
sehr. Trotzdem bleibt es bei der Instrumentalversion. Ich probiere
ein bisschen mit Worten herum aber mag nichts davon leiden.
Eigentlich dachte ich ja das diese Reise auch ein musikalischer
Impuls wird, aber davon bin ich ziemlich weit entfernt. Egal! Dafür
war es bis hier eine großartige Reise mit vielen Herausforderungen
und reichen Erlebnissen und Begegnungen – ich sollte mir vielleicht nicht zu viel vornehmen.
Ich komme schräg
drauf, packe meine Sachen und wage mich um 13:00h doch noch hinaus!
Beim Ablegen hilft mein Stegnachbar, denn es blasen ungefähr 7
Windstärken. Aus dem Hafen fahrend bemerke ich, dass ich nicht
ordentlich vorbereitet bin. Meinen Fallen sind nicht klar, die Fock
noch festgelascht und das Reff im Groß noch nicht eingebunden. Ich
schimpfe ein bisschen über mich. Wenn ich Passagiere habe soll mir
so etwas nicht passieren! Ist nicht gut für die Moral und das
Sicherheitsgefühl. Da ich aber alleine bin ist es egal, mache ich
die Dinge eben bei Schaukelei und steuerlosem Schiff auf offener See.
Es ist genial wie
der Wind dann in die Segel pack, die Illub sich auf die Seite legt
und wir mit bis zu 7Knoten über das Meer zischen. Es ist recht böig
daher sind wir mal schneller und mal langsamer. Das Gefühl für mein
Schiff verändert sich total. Was vorher noch Rückzugsort und
mittelgroße Höhle gewesen ist wird im Wasser ein kleines Spielzeug
der Elemente. Wir werden von Böen gepackt, von Wellen geschaukelt
und rasen quasi über das Wasser. Ich Fahre eine Strecke, die mich
auf dem Hinweg ca. 2 Stunden gekostet hat in einer halben wieder
zurück!
Dann beginnt das
Kreuzen gegen den Wind. Der schläft für einen Augenblick ein, so
dass ich mich schon enttäuscht ärgere so lange mit dem Herausfahren
gezögert zu haben. Ich Reffe aus und mache dabei mein Niederholer
etwas kaputt. Mist! Refffen ist mir ja noch nie so richtig von der
Hand gegangen. Das muss ich unbedingt ändern wenn ich jemals über
mehre Tage über irgendwelche Ozeane fahren möchte. Für den Moment
ist das aber kein Problem. Das Segel steht und der Wind kommt auch
zurück. Wir düsen wieder. Allerdings mit Abstrichen: um überhaupt
Höhe zu gewinnen, also Strecke gegen den Wind gut zu machen, kann
ich keinen schönen Kurs fahren und so killt mein Vorsegel die ganze
Zeit über (es flattert am Rand und steht nicht schön). Das nervt mich und und ist nicht materialschonend aber
ich finde keinen anderen Weg. Im ganzen sehe ich fünf andere Schiffe
außer mir auf dem Wasser. Alle kämpfen wie ich um voran zu kommen.
Leider mit mehr Erfolg als ich und so zieht eines nach dem anderen an mir
vorbei. Mir ist es fast egal, wenn nur meine Segel richtig stehen
würden... Ich finde mich damit ab, versuche zu Essen und zu Lesen.
Irgendwann frischt der Wind aber so weit auf und die Wellen steigen,
dass ich immer wieder 'geduscht' werde. Alle 50 oder 100 Wellen kommt
eine so ungünstig, dass ich buchstäblich mit Badewannen beworfen
werde – noch finde ich das witzig. So gehen die Stunden dahin. Ich
stehe am Ruder und balanciere auf dem unruhigen Schiff unter mir, das
sich sicherlich 40° zur Seite neigt. Wenn mal wieder ein
Wendemanöver ansteht tue ich so als wäre ich auf einem richtig
großen Schiff und Rufe Befehle, die ich dann in unterschiedlichen
Stimmlagen wiederhole:
„Readdy to go about?!“ „Readdy to go
about!“ „Readdy to go about!“ „Readdy to go about!“
„Hol' dicht die Vorschot!“ „Hol' dicht die Vorschot!“ „Hol'
dicht die Vorschot!“
Das dabei Englisch und Deutsch durcheinander
gehen ist mir egal. Manches finde ich besser klingend manche
Ausdrücke kenne ich nur in der einen oder andern Sprache. Matrosen
sind aber schon immer ein bunter internationaler Haufen gewesen, von
daher vielleicht ganz passend.
Inzwischen bin ich
seit mehr als 5 Stunden auf dem Wasser und komplett durchnässt. Meine
Regenkleidung hält eben nicht 100% dicht, außerdem habe ich die
Bündchen am Handgelenk im Vorfeld nicht zu gemacht und keine
Gummistiefel angezogen. Sollten ja nur 4 Stunden werden... Bei der
nächsten Wende „reißt“ mir die Großschot los und mein Segel
ist außer Kontrolle! Ich bin selber Schuld weil ich einen Traveler
nicht richtig eingerastet habe – war zu beschäftigt meine
Kommandos in den Wind zu rufen ;-) Ich habe mich richtig erschrocken,
obwohl es im Ende kein Problem war, lass ich mich mal wieder
treiben, werfe die Vorschot los, sammele meine Großschot ein als ich
im Wind stehe, baue alles wieder zusammen und fahre weiter.
Noch bin ich zwar
kalt aber guter Dinge. Dann entdecke ich, dass sich wieder eine von
meinen Segellatten verabschieden will. Fluchend und die Segellatte
beruhigend, das sie doch an Bord bleiben soll, hole ich mein Segel
runter und rette die Latte. Dieses Spiel kenne ich ja schon von Tag40.
Danach habe ich aber keine Lust mehr das
Segel erneut zu setzen und fahre als Motorsegler mit Fock weiter. Die
will mir dann aber auch nicht mehr helfen, also packe ich sie auch
weg. Unter Motor kann ich jetzt den direkten Kurs steuern. Leider bin
ich dadurch auch nicht schneller weil Wind und Wellen mich sehr stark
bremsen. So mache ich mich im Schneckentempo auf, die letzten 3Meilen
zu bewältigen. Meine Brille ist total versalzen und die Sicht
schlecht, dadurch habe ich noch einmal mehr das Gefühl gar nicht vom
Fleck zu kommen. Ich hab kein Bock mehr. Von hinten kommt eine kleine
Benetau immer näher, natürlich noch unter Segeln und in einem
Winkel zum Wind, von dem ich mit der Illub nur träumen kann.
Sausack mit seinem modernen Boot!
Ungefähr zeitgleich
erreichen wir Schleimünde. Gnädiger weise komme ich einen Tick
früher rein, außerdem will er nicht in den selben Hafen wie ich und
so trennen sich unsere Wege nach 2 Stunden Verfolgungsjagt. Ich wette
ich habe den Typen ganz schön motiviert und happy gemacht das er mich so versägen konnte.
Im Hafen helfen mir
zwei Jungs beim Anlegen. Super nette Typen und auch noch mein Alter.
Das ist selten. Das Schiff die „Najade“ habe ich auch schon mal
in der Nordsee gesehen. Wir unterhalten uns eine Weile am Steg und
ich habe vor auf ein Bierchen herüber zu gehen. Nachdem ich aber Klarschiff gemacht habe und eine warme Suppe gegessen schlafe ich aber
sofort ein.
Hast'de da nicht direkt die Lyrics für deinen neuen Song? Zugerufenes Seegler Kauderwelsch auf hoher See...
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