Mittwoch, 28. März 2018

Überführung von Wismar nach Holland "Segeln mit den Leichtmatrosen"


Mittwoch, 28. März 2018 08:53 MESZ
Entfernung: 81,5 km
Dauer: 8 Stunden, 11 Minuten und 24 Sekunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 10,0 km/h


Es ist ein grauer Tag. Der Wind pustet wie vorhergesagt aus Ost und wir lassen um 8:00h den Motor warmlaufen. Es ist das erste mal, dass wir es mit Wind zu tun haben und deshalb nehme ich mir die Zeit unser Manöver gut zu besprechen. Lukas ist für die Heckleine an Backbord zuständig und soll uns, nachdem wir aus der Box gefahren sind, den Impuls zur Drehung geben. Das heißt er lässt die Heckleine um den Dalben und stoppt die Rückwärtsfahrt auf mein Kommando auf, wodurch der Bug nach Steuerbord herumschwingt. Janosch ist für die Vorleine zuständig und passt mit dem Bootshaken auf, dass wir nicht verfrüht Querschlagen und in der Box hängen bleiben. Alles klapp wie am Schnürchen.

Um 9:00h haben wir die Fehmarnsundbrücke passiert und laufen mit 6 Knoten unter Motor und Fok unserem Ziel entgegen. Wir müssen ein Schießgebiet der Marine umfahren, von dem wir nicht sicher wissen ob es gerade genutzt wird oder nicht. Eigentlich zeigen das die Tonnen mit einem Gelb-Roten-Blitzwechselfeuer alle 5 Sekunden, aber wir wollen kein Risiko eingehen. Außerdem stehen Wind und Wellen günstig, so dass die Umfahrung nur einen Umweg von ca. 5sm bedeutet (ca. 1Std.).

In diesem Wind zeigt sich dass wir als Crew doch noch nicht so gut funktionieren... Ich bin etwas eingerostet nach der ganzen Zeit auf dem Trockenen und die Jungs sind zum Ersten mal mit dabei. Im zweiten Anlauf schaffen wir es dann das Großsegel im zweiten Reff aufzubauen, gehen wieder auf Kurs und freuen uns über 6kn Geschwindigkeit.
In echt seemännischer Manier gehen wir stündlich Ruderwache, so dass man immer eine Stunde Pause, eine Stunde Bereitschaft und einen Stunde an der Pinne hat. Soweit der Plan… Nach einiger Zeit verlassen wir den Schutz der Insel komplett und die See wird noch etwas bewegter (rauer;). Aus 0,5m Wellen werden später 1,5m, d.h vom Wellenberg zum Wellental 3m Abfahrt und wieder hinauf. Das Schaukelt dann doch so viel, dass Lukas etwas grünlich anläuft und zur Sicherheit die Pütz in die Hand bekommt. Damit steuern nur noch Janosch und Ich im Wechsel, Lukas verzieht sich später unter Deck um zu Liegen und einigermaßen Warm zu bleiben. Immerhin ist immer noch März, die Temperaturen irgendwo um 5°C und der Wind bläst kalt aus ost! Leider können wir nicht mehr aussteigen. Wenn wir nach Dänemark führen, verkürzte sich die Fahrt um gerade mal 1,5Std. Aber das macht den Braten auch nicht mehr fett. Um 12:00h ändern wir den Kurs und könne ab jetzt dierekt auf die Kieler Förde zuhalten. Um 15:30h kommt Lukas wieder an Deck und genießt die Frische Luft und das ruhige Wasser der Förde. Um 16:45h liegen wir fest in Stickenhörn am Steg.
Geschafft. Hinter uns liegen ca. 40sm in winterlichen Bedingungen.
Umso mehr freun sich Janosch und ich, dass Smudje Lukas wieder so fit ist, dass er seiner selbstgewählten Verpflichtung nachkommt und ein vorzügliches Abendessen zubereitet!


Donnerstag 29.03.2018
Es ist morgens. Es ist dunkel. Es ist ungewöhnlich dunkel… es liegt Schnee!!! Was in der Nach wie Regen geklungen hat, war tatsächlich Schnee. Auch mal eine Erfahrung. Um 10:00h ist Sabrina mit uns verabredet, um Lukas abzuholen. Die beiden wollen die Ostertage gemeinsam verbringen und so Endet die fahrt zu dritt heute. Janosch entscheidet sich auch für den Heimweg und lässt sich bis zum Bahnhof mitnehmen. Durch den Schnee und den Oster-Verkehr kommt Sabrina eine Stunde verspätet. Wir sitzen noch ein bisschen zusammen und nehme Ihr Angebot dankend an, mit dem Auto eine Supermarktstour zu machen um das nötigste aufzufrischen.
Gegen 13:00h bin ich dann alleine und versuche keine schlechte Stimmung zu bekommen und das Schiff auszutrockenen. Das größte Problem bei diesen niedrigen Temperaturen ist Kondensation. Jeder mit Campingerfahrung kennt das: morgens beim ersten Pinkeln will man auf keinen Fall die Zeltwand berühren. Im Schiff geht das genau so. Der Vorbesitzer hatte die Illub komplett entkernt und das Holzinterieur nachgebaut. Die Isolierung, die ursprünglich von den Schweden eingebaut war, hat er ausgelassen. So tropfte unserer eingener Atem uns jeden morgen ins Gesicht. Als genügend Platz im Schiff war habe ich bestimmt vier Stunden mit mit der Trocknung der Polster, Handtücher, Kissen, Kleidung, den Fächern usw. zugebracht. Ein echtes Puzzlespiel mit Einsatz. Als Heizung habe ich einen Gasradiator und jede Menge Teelichter. Das heißt viel offenes Feuer auf engem Raum und mit sperrigen Polstern. Bis auf ein paar Wachskleckse auf dem Boden ist aber alles gut gegangen.














Dienstag, 27. März 2018

Überführung von Wismar nach Holland "Von Insel zu Insel"

Dienstag, 27. März 2018 08:50 MESZ
Entfernung: 51,0 km
Dauer: 7 Stunden, 57 Minuten und 51 Sekunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 6,4 km/h

Endlich geht es so richtig los und wir machen uns auf, neue Horizonte zu sehen. Egal was vorher war, immer war das riesige Weftgebäude von Wismar in Sicht und die Schornsteine der Industrieanlagen – Ahoi und Good Bye!
Die Fahrt dauert 7 Stunden und verläuft komplett unter Motor. Das Wasser ist ruhig und die Luft noch ruhiger. Uns soll es recht sein. Meine Leichtmatrosen steuern und Angeln, bis wir dem Autopiloten den Kurs überantworten. Ab dem Zeitpunkt, da wir die Untife „Hanibal“ passiert haben heißt es für die gesamte Strecke 340°. Lukas versucht sein Glück mit der Angel, kann uns aber leider kein frisches Abendessen besorgen. Zu seiner Ehre muss dazu gesagt werden, dass wir 2Kn zu schnell für sinnvolles Schleppen sind, so gehen wir leer aus.
Ursprünglich hatte ich Heiligenhafen angepeilt um dort Marco von der Blue Phantom zu treffen. Das erscheint aber nicht mehr sinnvoll, denn für morgen sind 5Bf aus Ost angesagt. Ich möchte mir die Möglichkeit offen halten, dass wir raus Fahren, Ausprobieren und notfalls einen Hafen zum Festmachen haben. Heiligenhafen ist eine Sackgasse und wenn wir den verlassen haben und uns Windstärke 5 doch zu viel ist, dass kommen wir nicht mehr (oder nur unter sehr großer Mühe) zurück. So machen wir auf Fehmarn in der Martin Werft fest, können morgen los Segeln und nach 1-2 Meilen die Entscheidung treffen ob wir durchziehen oder nicht.


 Unser Anlegemanöver ist noch etwas ungelenk, prinzipiell klappt aber alles. Wir haben das erste mal Schiffsreise-Gefühle und trinken einen verdienten Anlegeschnaps im Cockpit. Die Stimmung ist super und Kumpel Marco kündigt sich auch noch an. Es wird ein geselliger Abend mit viel Seemannsgarn und einem gemeinsamen Abendessen. Eigentlich genau wie im Sommer – nur das der Atem dann nicht so dampft ;-)  







 







Montag, 26. März 2018

Probefahrt

Montag, 26. März 2018 12:47 MESZ
Entfernung: 16,5 km
Dauer: 3 Stunden, 53 Minuten und 47 Sekunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4,2 km/h

Wir haben langsam gemacht heute Morgen. Um 11:30h entscheide ich, dass es für die das Dichtemittel lange genug war und lasse den Motor an. Es orgelt und orgelt, bleibt aber trocken, und dann springt der Volvo Penta MD7a von 1974 endlich an. UND HÄLT DICHT! Auch nach längerem Warmlaufen und ein paar mal Vollgas scheint alles in Ordnung.
...bis ein Stegnachbar völlig hysterisch zu uns herüberkommt und fragt ob wir ablegen wollen. Eigentlich ist das keine Frage sondern eher ein ein Frageform gegebener Befehl, dass wir eben nicht ablegen dürfen! Mir geht der Typ sofort auf die Nerven aber einen validen Punkt hat er Schon: Der Saugbagger, mit dem die Anlage gerade ausgebaggert wird, hat uns die Ausfahrt versperrt. Nicht das Baggerschiff ist das Problem, sondern das Abraum-Rohr. Ein riesiger Schlauch, der den Schlick weit weg ins Schilf pumpt liegt in einem großen „U“ im Weg. Als ich nicht gleich untertänigst Antworte und dem besorgten Bürger – äh Segler - zusichere, nicht auszulaufen wird der Typ noch hysterischer. „Hast Du gehört was ich sage!?! Ihr dürft da nicht, ihr könnt da nicht auslaufen!!!“ So unangenehm ich diesen Kerl auch finde hat er uns doch zwei Gefallen getan: erstens hätte ich den Schlauch erst bemerkt und beachtet wenn wir abgelegt hätten (kein Problem aber unpraktisch in dem kleinen Hafenbecken) und zweitens hat er den Baggerführer angerufen, der dann auch prompt erschienen ist. Dieser war, vorbereitet von unserem speziellen Freund, auch der Meinung wir könnten erst Karfreitag auslaufen, lies sich dann aber überzeugen, dass wir uns mit der Illub per Hand an seinem Saugrohr vorbei hangeln können während er daneben steht. Am Ende ging das leichter als gedacht und wir konnten endlich starten! ...fast...

Wir benötigen noch Diesel und eine Testfahrt ob der Motor wirklich hält. Also nehmen wir Kurs auf den Westhafen von Wismar, üben An- und Ablegen und laufen zur Tanke um Diesel zu Bunkern.
3 Stunden später um 14:30h geht die Fahrt dann los. Es ist Flaute und so tuckern wir gemütlich nach Timmendorf auf Poel. Ein letztes Mal in meinem Lieblingshafen, bevor es zurück in die Nordsee geht.







Keine Fischbrötchen auf Poel :-(



Samstag, 24. März 2018

Überführung von Wismar nach Holland "Einstieg"


Am 07. März 2015 habe ich die Illub gekauft und in der Zeit vom 18-28 März 2015 habe ich sie in zwei Etappen mit Jonny und Manuel Überführt. Google Fotos promptet mich in den letzten Tagen immer wieder mit den den Bildern von damals. Sehr passend denn 3 Jahre später ist es wieder so weit. Ich habe mich entschlossen das Schiff von Wismar an der Ostsee zurück nach Holland zu verholen. Sogar in genau den selben Hafen in dem ich sie vor drei Jahren gefunden habe.
Die Anreise nach Wismar ist einfach zu weit und die Illub braucht mal wieder so richtig viel Liebe und Zuwendung. Seit zwei Jahren liegt sie im Wasser und bekommt einen Tag vor Abreise eine Hauruck-Putz-Reparatur-Verbesserungs-Aktion und dann fahren wir los. Es ist Zeit das mal zu Ändern. Ein anderer Skipper erzählte mir: „Ja und dann bist du die ersten drei bis vier Wochen, nachdem das Schiff wieder im Wasser ist, mit dem nötigsten beschäftigt bevor die Segel dran sind...“ Unvorstellbar in meinen Augen. Die Segel kommen am ersten Tag mit als erstes wieder dran. Erstens finde ich ein Segelschiff ohne Segel sehr nackt und zweitens sind sie mir überall im Weg – außer am Mast!

Es ist Samstag der 24.03.2018 und ich bin viel zu früh wach. Endlich geht es wieder los; und dann auch noch mit Crew! Mein alter Sandkasten- und Jugendfreund Lukas hat sich mit Janosch angekündigt. Beide sind erfahrene Wanderer, Camper, Kanuten und Abenteurer, so dass ich mir wenig Sorgen mache und mich freue in dieser frühen Jahreszeit Gesellschaft zu haben.
Ab 7:00h sitze ich im Zug von Köln nach Wismar, in Münster steigen die beiden dann zu. Es ist voll und der Osterreiseverkehr ist im Gange. Ungeduldig erwarte ich das Ende der Fahrt und um 15:00h erreichen wir endlich die Illub!

Geruch: OK
Feuchtigkeit: OK
Schimmel: nur ein bisschen in manchen Ecken
Dann kann es ja los gehen!

So gut es geht versuche ich Aufgaben zu delegieren und Janosch und Lukas stellen sich auch geschickt an, aber ich fürchte meine Qualitäten als Manager sind begrenzt. So fragen sie mich ständig, was sie als nächstes tun können.
Das Wetter meint es gut mit uns. Wir legen die Polster zum Lüften und Durchtrocknen an den Steg und ich schicke die Jungs Einkaufen um in der Zeit etwas Putzen und Klarschiff machen zu können. Mit dem Einsortieren des Einkaufs können sich die beiden dann vertraut mit der Ordnung an Bord machen. Beide bekommen jetzt auch einen Platz für ihre persönlichen Sachen.

Den Plan, am gleichen Abend noch nach Timmendorf auf Poel auszulaufen, geben wir auf. Wir sind zwar gut voran gekommen aber es ist spät und wir sind müde. Im Dunkeln will ich mit einer Erstlings-Crew auf keinen Fall zum ersten mal fahren. Also morgen.




Sonntag 25.03.2018
Es ist herrliches Wetter und wir sind voller Vorfreude. Das Schiff ist ready-to-go und wir wollen los. Ob bis nach Poel oder schon weiter nach Heiligenhafen lasse ich noch offen. 
Schnell noch einen Ölcheck ob im Motor alles paletti ist und los geht‘s. Ich drücke den Anlasser des Motors und hoffe dass er gut anspringt; einen Motorcheck hatten wir gestern nicht mehr geschafft. Es klingt erstmal OK. Dann bemerken Lukas und ich Wasser! Kühlwasser. Ich schaue mir den Motor and und bin komplett überrascht, enttäuscht und entmutigt. Ein riesiges Loch im Motorblock! Rost, Gammel, Altersschwäche, nenn es wie Du willst. Loch ist Loch. Beim genaueren Hinschauen sehe ich, dass es im Grunde auch ein Frostpropfen ist, der wie 2016 weggegammelt ist. Das macht die Sache aber nicht besser. Ich habe überhaupt kein Werkzeug dabei und es ist Sonntag. 

Wenn es aber eine Lektion gibt, die ich mit der Illub und der Segelei gelernt habe, dann die, dass es immer eine Lösung gibt. Es geht immer weiter!
Im Grunde kenne ich die Lösung auch schon. Genau wie die Schweißer 2016 werde ich ein „Pflaster“ auf dem Motorblock verkleben und verschrauben. Jetzt muss ich nur noch „Pflaster“, Bohrer, Bohrmaschine und Gewindeschneider auftreiben. Dichtung und M5 Maschinenschrauben in passender Länge habe ich selber. 
Das ganze Herumgerenne und -gefrage am Steg, zum Glück war der Verein an diesem Wochenende sehr aktiv, will ich Euch ersparen. Es zeigte sich aber wieder: Es gibt immer eine Lösung! Selbst die Leute, die unfreundlich und/oder Abweisend sind können dazu beitragen. Da war zum Beispiel ein Typ der mich quasi beschimpft hat wie dumm ich sei, ich müsse doch ein dünneres Blech nehmen und Pagan selbstschneidende Blechschrauben „Hier Erwin, sag Ihm mal der er dumm ist. Der will mir nicht glauben dass das Pagan selbstschneidende Blechschrauben sind.“ Zuvor hatte ich statt „Flicken“ oder „Pflaster“ wohl „patch“ gesagt woraufhin er gleiche Typ sich an dem englischen Ausdruck gestört hat „Du hast doch bestimmt studiert!“ beschimpft er mich in einem Tonfall der eine Beleidigung ist - unglaublich…

Es dauert den ganzen Tag, bis ich ein gut sitzendes Teil geschnitten, gebohrt, verschraubt und abgedichtet habe. In der Packungsbeilage der Dichtung steht eine Härtezeit von 24 Std. bei 20°C. Scheiße! Wir haben höchstens 10°C und schon 17:00h. Da helfen nur gutes Essen vom Smutje Lukas, gute Gesellschaft und ein oder zwei Bier.






Sonntag, 20. August 2017

Gesamtstrecke Sommer 2017


Etwas mehr als 100 km, jede Menge Spaß und eine Priese Abenteuer. Wer genauer sehen will wo wir gewesen sind oder ich mal wieder mit der Windfahne durch Wasser getaumelt bin, der kann sich das ganze hochauflösend hier anschauen.

Montag, 14. August 2017

Rügen - Wismar einhand und nonstop

So ging unsere Zeit in Lohme auch schnell dahin und es wird Zeit Sarah nach oben ins Dorf zum Bus zu bringen. Gemein, da das Wetter, heute am Montag, wieder richtig gut geworden ist. Aber so ist das Leben. Sarah muss wieder an die Arbeit und ich muss die Illub endgültig parken gehen. Nachdem Sarah im Bus sitzt mache ich mich daran alles für meine große Überfahrt vorzubereiten. 100 Seemeilen! Die Fahrt nach Bornholm waren 50sm und das hat schon 12Std. gedauert. Der Wetterbericht sagt für den weiteren Tagesverlauf Flaute an, gegen 19:00h soll es dann aus Ost aufbriesen. Genau mein Ding, 3-4 Windstärken aus Ost! Am Dienstag dann ab Mittag auf Süd drehend, was für mich weniger günstig ist. Meine beste Option ist am Nachmittag unter Motor das Kap Arkona zu umrunden und dann am Frühen Abend die Segel zu hissen und die Nacht über durch zu fahren… Ich mach‘s!
Um 13:00h bin ich schon fertig mit den Vorbereitungen und will nicht bis 15:00h warten; dafür bin ich viel zu nervös und auch etwas melancholisch weil Sarah ja gerade gegangen ist. Also rausfahren und was erleben!



Good bye Lohme 
 Kap Arkona voraus
Insel Hiddensee backbord querab 

Der Anfang der Fahrt verläuft ruhig. Ich motore bis ich die Insel Hiddensee erreicht habe. Dabei kann ich gut lesen und in der Sonne Faulenzen. Pünktlich um 19:00h setzt der Wind ein und ich kann die Segel hochziehen bzw. den Motor ausstellen. Zuvor hatte ich die Segel auch schon oben, aber nur um ein wenig Extraspeed zu geben und das Schiff zu stabilisieren. Für die nächsten zwei Stunden bin ich mal das Schiff, dass ich sonst immer so schön und beneidenswert fand: Man sitzt am Strand und im goldenen Licht der Abendsonne zieht noch ein einsames Segelschiff daher. Vom Cockpit aus gesehen auch eine herrliche Erfahrung. Leider muss ich zur Handsteuerung übergehen, da die Wellen und der Wind meinen genauen Kurs mit der Windsteueranlage nicht möglich machen. Ich komme zur Landspitze von Darßer Ort, dort gibt es Strömung, Flachwasserzonen, Naturschutzgebiete und einen Windpark. Wenn ich frühzeitig gut ziele ist das alles kein Problem da zwischen her zu flutschen. Wenn ich aber zu weit im Süden oder im Norden herauskomme, wird das ein ziemliches Gegurke damit ich auch sicher und gut herum komme. Also steuere ich per Hand und werde so leider etwas von dem Sonnenuntergang abgelenkt, da meine Referenzpunkte an Land und nicht in der untergehenden Sonne zu finden sind.


 Die ersten Schiffe von der Hansesail in Rostock. Von denen werden mir noch einige im Dunkeln begegnen.


Und dann beginnt die Nacht.
Pünktlich mit dem versinken der Sonne frischt der Wind deutlich auf. Oder meine ich das nur?Vielleicht spielt die Psychologie eine Rolle aber die spätere Recherche im Wetterbericht verzeichnet stärkeren Wind als ursprünglich vorhergesagt und gibt meinem Gefühl recht. Statt 3-4Bf sind es tatsächlich 4-5Bf. Nichts was ich nicht schon kennen würde aber in der Dunklheit doch beeindruckend. Ich werfe einen letzten Blick auf das rote und grüne Licht, was die Einfahrt des Nothafens Darßer Ort markiert. Letzt Chance Auszusteigen. Quatsch! Genau das hier hab‘ ich mir doch gewünscht. Zugegeben ein bisschen mulmig ist mir aber wie soll ich mich erst fühlen wenn ich im Hafen sitze und nichts zu tun habe. Ich fahre auf jeden Fall weiter!
Dann wird es dunkel und noch dunkler als auch der letzte Schimmer der Sonne vom Himmel verschwindet. Ich wundere mich und suche den Mond. Vor fünf Tagen war noch Vollmond, da muss doch noch was von dem Kollegen übrig sein. Keine Chance. Dafür blinkt und blitzt es reichlich um mich herum. Da ist der Windpark mit gefühlten tausend Lichtern, der Leuchtturm bei Darßer Ort, die Gefahrentonne und noch jede Menge andere Seezeichen, die so weit weg sind, dass ich sie nur grob zu Rostock oder dem Seetrennungsgebiet zuordnen kann.
Ich kann die Windsteueranlage wieder in Betrieb nehmen und lege mich ins Cockpit. Es ist sternenklar. Nach einiger Zeit haben sich meine Augen eingestellt und ich sehe so viele Sterne wie selten zuvor. Auch Sternschnuppen häufen sich und ich wünsche mir fleißig einen Wunsch nach dem anderen, bis mir nur noch Wiederholungen meiner vorherigen Wünsche einfallen. Sollte also klappen hoffe ich.
Einen kleinen Schrecken erlebe ich dann doch noch. Bei meinem routinemäßigem Rundumblick entdecke ich ein neues Licht: rot und weiß. Das bedeutet Schiff in Fahrt; oder nicht?!? Doch! Müsste! So hab ich das gelernt, rot zeigt mir, dass ich die Backbordseite (links) sehe und das weiße Licht ist am Heck angebracht. Meine Perspektive müsste also schräg von hinten sein. Ist aber noch weit weg. Ich lege mich wieder zu meinen Sternen und bin total erschrocken als die kleine Segelyacht 10min. später beim nächsten Rundumblick schon an mir vorbei gesegelt ist. Ups! Und jetzt erkenne ich auch, dass das weiße Licht kein Hecklicht sondern ein Toplicht ist und statt 135° nach achtern (hinten) 360° vom Masttop leuchtet. Ich hoffe der andere Skipper hat etwas besser aufgepasst als ich. Aber das Meer ist groß und das Wort „Nähe“ bezieht sich auf 500 Meter Radius um die Illub herum, hat also nichts mit den gewohnten Dimensionen z.B. im Straßenverkehr zu tun.
So geht es eine ganze Weile entspannt und im Sternenlicht weiter.
Leider stelle ich fest, dass ich dem Seetrennungsgebiet immer näher komme, die Windsteueranlage kann unter diesen, immerhin recht ruppigen Bedingungen mit 1m Welle und 4-5Bf, nicht weiter südlich steuern. Also muss ich mal wieder ran. Wir kommen Warnemünde immer näher und ich wundere mich was hier los ist. Ich sehe gut 20 Schiffe, und das um 01:30h! Einem schönen Dreimaster komme ich relativ nahe, der geisterhaft an mir vorbei zieht. Dann sehe ich mal wieder einer Riesigen Fähre oder einem Kreuzfahrtschiff frontal entgegen. Kurz bin ich erschreckt und dann werden die Abstände deutlicher. So wie so krieg ich immer mal wieder einen kleinen Adrenalinschock wenn sich eine Welle vom Timing und der Wellenhöe passen bricht, dass im Schaum mein rotes Positionslicht reflektiert. Es scheint dann als ob etwas im Wasser schwimmt was viel zu schnell auf dich zu kommt und gegen die Bordwand klatscht. Ich bin bestimmt drei oder vier mal darauf reingefallen. Andererseits hilft es beim wach bleiben. So langsam werde ich müde. Gegen 02:15h denke ich, dass ich weit genug von den Kreuzfahren, Frachtern und sonstigen Hanse Sail Besuchern fern bin, dass ich es mit der Windfahne wieder probieren kann. Da habe ich ja lust drauf: wieder schön im Cockpit liegen und den Sternen zuschauen, dabei gewiegt werden und das gute Gefühl zu haben, dass ich unter Wegs bin. So schön… Leider kommt es anders. Ist ja auch klar. Auf der Illub weiß man nie so genau was man bekommt. Dieses mal muss ich leider feststellen, dass nach 450 Semeilen, ein paar Schrauben harausgebrochen sind und ich fast mein Pendelruder von der Windfahne verloren hätte. Noch hält eine Schraube aber die Steuerwirkung ist dahin. Es ist ohnehin schon doof sie so weit über die Reling bücken zu müssen, es ist zwei Uhr nachts mit ordentlich Wind, und deshalb packe ich beherzt zu und reiße das Ruder komplett ab, um es wenigstens reparieren zu können und nicht ganz neu bauen zu müssen. Im zweiten Gedankengang bin ich aber ganz zufrieden. 450sm mit dem ersten Prototyp, davon hat das Ding vielleicht 200sm oder sogar 250sm gesteuert! Mit diesen Erfahrungswerten kann ich nochmal zu Freun Manu in die Werkstatt und die Version 2.0 in Angriff nehmen; die schafft dann hoffentlich 2500sm.
Für den Moment bedeutet das aber leider das ich bis nach Hause selber steuern muss. Mist. Gerade als es entspannt und chillig werden könnte. Den Elektropilot will ich nicht gebrauchen, da schon meine Positionslampen leuchten und ich die Batterie zum Motorstart benötige.
Ab hier zeigt der „Seegang“ im GPS Track deutlich wie ich im Halbschaf steuere und teilweise nicht den Kompas benutze, sondern meine Saling und einen besonders hellen Stern. Eigentlich total einfach, nur wenn das Schiff schaukelt verliere ich auch den hellsten Stern gelegentlich aus den Augen und dann muss sich erst mal wieder neu orientiert werden. Auf dieser Fahrt stellt sich übrigens auch heraus, dass mein stylischer Kompass unbedingt beleuchtet werden muss. Da war die Stirnlampe mit angenehmem Rotlicht superpraktisch.
Ganz ehrlich – ab hier wird mir die Zeit etwas lang. Es nähert sich zwar bald das Morgengrauen, ein Event dem ich entgegenfieber aber noch ist es für zwei Stunden dunkel, nass und kalt wird es auch. Um 03:20h bemerke ich, dass neben den Leuchttürmen an Land zwei fette rot und grüne Lichter sichtbar sind, die die Hafeneinfahrt von Kühlungsborn markieren. Ich bin so müde und es lockt mich der sichere Hafen. Gleichzeitig ist es ein Umweg und ich möchte es auch gerne schaffen nach Hause zu fahren. Ob die Windfahne jetzt kaputt ist oder nicht. Das letzte Gegenargument ist im Dunkeln bei Wind eine freie Box zu suchen und dort festmachen zu müssen – so müde gar nicht mein Ding.
04:00h Es zeigt sich der Morgen und als ich um 4:45h um „die Ecke“ bin Kühlungsborn endgültig außer Sicht ist färbt sich der Himmel endlich rot und ich weiß, dass ich es geschafft habe. Ich bin durch die Nacht gefahren! Wieder einmal finde ich es doof, steuern zu müssen und nicht nach Hinten schauen und dem Schauspiel zuschauen kann. Ein frischer Tee fällt auch flach und zu Essen gibt‘s nur noch Schokoriegel und Kekse.
Als ich um 06:30h die Insel Poel erreiche ist es Zeit den Motor starten. Zum einen soll er warmlaufen, zum Anderen hat der Wind weiter auf Süd gedreht und ich muss gleich nach Süden abbiegen und durch eine Untiefe – oder einen großen Umweg fahren. Jetzt heisst es Daumen drücken, dass acht Stunden Positionslichter die Batterie noch frisch genug lassen um den Motor in Gang zu setzen. Es kommt wie es kommen muss und der Motor springt nicht an, gibt nicht mal ein Mucks. Na gut. Alle Instrumente und Verbrauer ausstellen und in einer Stunde noch einen Versuch. In der Zwischenzeit versuche ich die Oldschool-Trecker-Ankurbel-Methode. Leider habe ich keine Kurbel, hatte ich nie. Ich probiere es mit dem Schraubenzieher. Das Problem ist, dass ich eine Hand zu wenig habe: Schwung geben, Kompressionshelbel umlegen und gleichzeitig Starterknopf drücken. Theoretisch müssete es auch ohne den Starterknopf gehen aber so oder so tut sich nichts. Ich kann auch nie zu lange herumfummeln weil die Illub in der Zwischenzeit führerlos herumdümpelt. „Eins nach dem Anderen“ sag ich mir und konzentriere mich drauf bis nach Timmendorf auf Poel zu kommen. Durch die Untiefe will ich trotzdem fahren. Ich habe keinen Bock auf Umwege und theoretisch müsste es knapp sein aber passen. Motorgebastel und die Untiefen halten mich wach und ich übe langsam Fahren bei frischem Wind und zu viel Segelfläche. Inzwischen ärgere ich mich schon eine Weile mit der großen Genoa losgefahren zu sein und nicht die Fok benutzt zu haben. So spiele ich mit dem Kurs und den Schoten, dass ich im Falle des Falles nicht mit 5 oder 6 Knoten auf Grund laufe. Letztlich habe ich immer noch 1,5m Wassr unterm Kiel. Bestimmt nicht zu letzt wegen der vielen guten Wünsche, die mir von so vielen lieben Menschen mitgegeben werden „...und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel!“ Vielen Dank dafür; es hilft!

Endlich habe ich Poel erreicht. Endlich Pause, und Pinkeln und Schlafen! Es ist 07:30h und ich bin seit 18 Stunden auf dem Wasser. Aber auch hier werde ich noch einmal auf die Probe gestellt. Der Hafen ist voll. So voll, dass fünf Schiffe in der Bucht vor der Hafeneinfahrt vor Anker liegen. Keine Chance das ich da unter Segel einlaufen und irgendwo festmachen kann, ohne dass ich etwas kaputt mache, Leute aus dem Schlaf reiße und ein riesen Chaos veranstalte. Also noch etwas durchhalten und weiter zum Stadthafen. In den WS11 komme ich durch die Schmal Rinne niemals rein und dann wäre mir auch alles zu eng. Im Stadhafen kann ich schön längseits an den Kai gehen. Ich fahre also weiter in die wismarer Bucht ein. Leider herrscht inzwische direkter Südwind und ich bräuchte ewig, biss ich in den Stadthafen gekreuzt wäre. Ich habe langsam echt keine Lust mehr und möchte gerne irgendwo fest machen. Zum Glück ist die wismarer Bucht voll von Häfen und so sind Boltenhagen und Hohen Wirschendorf in Reichweite. Ich kenne keine der Marinas und entscheide mich für letztere da der Weg kürzer ist. Natürlich ist es ein winziger Hafen mir enger Fahrrinne und Anfangs weiß ich überhaupt nicht, wo der Eingang ist. Es gibt Tonnen, die die schmale Einfahrt markieren und direkt auf eine Betonmauer und eine Slipanlage führen. Mir ist alles egal. Da liegen Boote hiterm Beton, und irgenwie müssen die von hier nach dort kommen. Schwungvoll, ich kann unter Segel nur schwungvoll, sonst geht die Steuerfähigkeit verloren, fahre ich auf die Betonmauer zu, in dem Vertrauen, dass ich genauso schau bin wie die anderen Skipper. Die sind ja auch in den Hafen reingekommen. Siehe da, es gibt noch andere, kleine, bewachsene Tönnchen. Eigntlich eher drei Luftballons aber genug. Ich fahre rum und muss mich orientiern und entscheiden. Schwimmstege steuerbord querab, T-Form. Gut. Vor der Halberg Rassy ist noch was frei. Halber Wind. Gut. Fok fliegen lassen, Leine nehmen, ...scheiße zu schnell! Ich bemerker einen Panischen Skipper, der kauend aus der großen teuren Segelyacht auf den Steg klettert. Ich sehe ein, dass das so nichts wird, schnappe mir meine Vorschot um wieder Geschwindigkeit zu bekommen und besser steuern zu können. Es geht knapp vorbei an der Halberg Rassy und rasant zu auf den Strand. Steuerbord, die Yacht, an Backbord Flachwasser, voraus noch die kleinen offenen Anglerboote. Ich drehe mich um entdecke doch noch eine Lücke auf der anderen Seite vom T-Stück des Steges und mache eine rasante Halse (Großsegel war schon vor dem Hafen geborgen) und einen butterweichen Aufschießer in die Lücke. Die Geschwindigkeit passt so gut, dass der Skipper und seine Frau mich mit dem kleinen Finger annehmen können. Wir sind alle drei ganz baff! Mir egal ich will nur schnell festmachen!
Geschafft! Jetzt merke ich wie aufgekratzt ich bin. Ich weiß nicht ob ich wirr gesprochen habe. Der Skipper hat sich ständig wiederholt, was das für ein krasser Anleger war und ich habe dafür in einem einzigen Satz die ganze Überfahrt erzählt und das ich so was noch nie zuvor gemacht hätte und das ich ganz aufgeregt bin und das ich gefürchtet hätte das die Batterie lehr geht und das die vielen Schiffe von der Hanse Sail alle da waren und ich ja nicht „dunkel“ fahren kann, man muss ja überhaupt froh sein wenn die einen auf dem Radar sehen, …
Naja wir haben uns dann alle erstmal wieder Beruhigt. Die beiden haben zu Ende gefrühstückt und ich habe klar Schiff gemacht. Kurz danach habe ich denen dann geholfen, dass sie ohne Kratzer, gegen den Wind, vom Steg wegkommen und bin endlich schlafen gegangen.
100 Meilen in 20 Stunden durch die Nacht Rügen – Wismar nonstop. Nicht ganz wie geplant, aber gesund und munter – äh müde – aber happy!

 
Sonnenaufgang. Die Nacht ist geschafft!





Donnerstag, 10. August 2017

Auf Rügen mit Sarah

Sarah kommt pünktlich und wie verabredet mit der Bahn in Sassnitz an. Die Freude ist groß, immerhin haben wir uns drei Wochen nicht gesehen ;-)
Ich finde es immer wieder herrlich, wie selbstverständlich sie sich auf der Illub bewegt, alle Plätze für die Dinge kennt, und die Namen und Knoten der entsprechenden Leinen weiß. Sie selber ist immer ein wenig Schüchtern mit ihrem Segel-Know-How aber mir ist sie eine große Hilfe. Die Winde stehen gut und so beschließe ich unter Segel den Hafen zu verlassen. Wir wollen nach Lohme ein Stück um die Kreideküste herum. Den Motor starte ich zwar und benutze ihn auch um aus der Box heraus zu kommen, danach werden aber alle Manöver unter Segel gefahren. Im Hafen ist noch alles ruhig und klar, das Wasser im Schutz der Mole bewegt sich wenig und die Ausflugsdampfer fahren artig um uns Segeler herum; Segelfahrzeug vor Motorfahrzeug. Draußen ist es dann schon nicht mehr ganz so chillig. Aus den 4 Windstärken werden stellenweise 5 und die See türmt sich auch immer höher. Sarah findet das nur noch bedingt entspann. Sie ist sehr froh einfach nur Salzstangen zu mümmeln und Passagier sein zu können. Ich probiere eine Weile mit der Windsteueranlage herum, bin aber nur mäßig zufrieden mit dem Ergebnis. Die Wellen sind zu hoch und die Illub schiebt zu viel Lage, so dass das Servoruder immer wieder aus dem Wasser kommt und somit kurzzeitig keine Kraft hat. Dadurch können wir unseren Kurs nicht genau halten. Weit draußen auf dem Meer ist das nur eine Frage wie schnell man ankommen möchte, vor den Kreidefelsen Rügens nicht. Täglich fahren die Touri-Dampfer an die Kreideküste, den Kaiserstuhl und das Kap Arkona, genau auf unserer Strecke. Besser gesagt sind wir genau auf deren Strecke. Hinzu kommen die großen Fähren nach Schweden, Dänemark, Finnland und Lettland, die alle von Sassnitz aus abgehen. Wir müssen Kreuzen um Lohme zu erreichen. Das ist nett um die Felsen zu begucken aber gleichzeitig so, als wenn wir eine Hauptverkehrsstraße immer wieder kreuzen und dabei Schaufenster begucken.
Einmal wird mir richtig mulmig. Wir haben gerade eine Wende gemacht und entfernen uns wieder von der Küste, um im nächsten Schlag ums Kap herum zu kommen. Dann entdecke ich in noch beträchtlicher Entfernung eine Scandlines Fähre, wahrscheinlich auf den Weg nach Trelleborg in Schweden. Ich habe schon mal erwähnt wie schwierig das Einschätzen von Entfernungen, Winkeln und Geschwindigkeiten auf dem Wasser ist. Normalerweise denkt man: „Das wird jetzt aber knapp“ und es stimmt nie. Hier wurde es immer knapper und knapper und ich denke mir: „ Scheiße! Der muss doch jetzt was machen. Ich habe schließlich Vorfahrt und bin schon lange hier auf meinem Kurs!“ Aber der Kapitän der Fähre ist eiskalt und hält drauf. Mein Problem ist, das wir auch nicht mehr ausweichen können. Die Fähre ist mindestens dreißig Meter breit und wir sind genau vor Ihr. Eine Wende dauert viel zu lange und wir verlieren komplett unsere Geschwindigkeit. Eine Kursänderung von ein paar Grad wären vorhin möglich gewesen, verschlechtern die Situation momentan aber auch nur noch. Also stur Kurs halten, auf meine Vorfahrt pochen und hoffen das der Kapitän uns sieht und genügend Übersicht und Seeraum zum Manövrieren hat.
Ich glaube Sarah hat gar nicht so genau hingeschaut. Mir wurde jedenfalls ganz anders als diese gigantische Fähre direkt auf uns zukommt. Und das mit mindestens der vierfachen Geschwindigkeit von uns und einem langen Reaktionsweg. Am Ende sind wir doch noch so gerade vor der Fähre hergefitscht und ich unterstelle dem Kapitän mal, dass er das genau gesehen und gewusst hat; er ist nämlich kein Grad von seinem Kurs abgewichen.
Unter einigem Geschaukel nähern wir uns Lohme und ich beschließe die Illub erst im Hafenbecken Hafenfein zu machen und unter Segel einzulaufen. Klar ist das nicht ohne Nervenkitzel: fremder Hafen, recht viel Wind und keine Ahnung wie die Boxen, Slips oder Stege aussehen. Aber ich habe ja meine bewährte erste Offizierin und Captain‘s wife Sarah mit an Bord, von daher mache ich das einfach ;-)
Siehe da, es klappt wie am Schnürchen. Im Hafen ist es ruhig, Sarah übernimmt das Steuer und ich berge die Segel, dann übernehme ich wieder und mache die Achterleinen klar währen Sarah die Fender raushängt und sich mit den Vorleinen befasst. Butterweich biegen wir in die Box, ich erwische den Dalben in Luv und Sarah gibt souverän Abstände bis zum Steg durch, so dass wir passend aufstoppen können. Danach nur noch ein wenig getüddel mit den Leinen bis alles genau so ist wie es sein soll und es ist geschafft. Heute gab es ein kleines Mädchen, die uns gebannt zugeschaut hat. Die Mutter meinte dann auch: „Es ist so schön wie ihr zwei das macht.“ Dankeschön!

Der Hafen ist sehr schön und sicherlich 50m unterhalb des eigentlichen Dorfes gelegen. Es gibt neben dem Hafengebäude mit Hafenmeister, WC und Duschen eine große Feuerstelle mit Campingmöglichkeit für Kanuten. Der Abend wird windstill und nachdem wir mit Hilfe des Wetterberichtes beschlossen haben, unsere gemeinsame Zeit über hier zu verbringen, gesellen wir uns zum Lagerfeuer. Neben dem Hafenmeister, ein paar Holländischen Hobbyfischern und Yachties lernen wir Jörn mit seiner Frau von der „Big Dad“ kennen und später noch die beiden Mädchen, die mit dem Seekajak Rügen umrunden. Die „Big Dad“ liegt im Nachbarverein in Wismar und ich nutze die Chance mir ein paar Tips für den Rückweg geben zu lassen. Die Herausforderung besteht in dem langen Stück Küste zwischen Rügen und Warnemünde. Zusätzlich kommen die Winde eher aus West. Ich denke daran, dass die Segelzeit langsam zu Ende geht und es formt sich der Plan die Tour nach Hause in einem einzigen Schlag zu machen. Es muss nur noch ein passendes Wetterfenster her…


Sarah und ich sind jedenfalls froh eine Entscheidung für unsere gemeinsame Zeit getroffen zu haben. Das Wetter wird leider nicht so rosig und deshalb planen wir uns einzumuckeln und „Ferienhaus“ in Lohme zu spielen.  

Es ist aufgeräumt und geputzt, jetzt noch ein bisschen Tippen und ich bin bereit für meine Liebste.



Am Freitag, bevor wir auslaufen, gehen wir noch spontan in das Museums U-Boot.



Auslaufen unter Segel. 






Die Verlobung von letztem Jahr haben wir auch noch einmal nachgespielt ;-)