Dienstag, 23. August 2016

Dienstag 23. August
Wer auf die Illub kommt, muss nehmen was er kriegt


Für die einen bedeutet das Mast stellen, für die nächsten Motor reparieren, für die folgenden eingeweht werden und Projekte basteln und für Richard und Anke: Putzen. Durch den fließenden Übergang und das zügige Ablegen aus Warnemünde (der Wind bestimmt was geht) hatte ich keine Gelegenheit zwischen Papas Auszug und deren Einzug Ordnung zu schaffen. Heute ist also Putzen, Aufräumen, Wasser einkaufen, Wäsche waschen, Klo- und Lenzpumpe reparieren und – endlich – am Strand chillen angesagt.
Auch gut!










Montag, 22. August 2016

Montag 22. August
Neue Crew, neues Kapitel

In diesem Fall nicht so ganz. Papa verbringt noch einen Tag mit uns an Bord und wir fahren nach Kühlungsborn. Mein Ziel ist es am Ende der Woche in Wismar einzulaufen um die Illub dort bis zum nächsten Törn zu Parken. Das Problem ist leider, das der Wind immer „West“ im Namen trägt, genau wie unsere Fahrtrichtung. Die erste Etappe nach Kühlungsborn ist glücklicherweise nicht sonderlich weit und so können wir es uns leisten gemütlich im Hotel von Anke und Richard zu Frühstücken und erst um 11:00h abzulegen.
Wir starten die Kreuz nach Westen. Nach zwei Stunden sind wir noch nicht weit gekommen, der Wohlfühlindex an Bord beginnt aber schon zu fallen als Teile der Crew immer blasser werden. Deshalb beschließe ich den Motor zu starten und unsere Fahrt etwas abzukürzen. Anke bekommt einen Platz zum Liegen und erholt sich sichtlich. Die Illub macht Strecke und wir nähern uns zügig dem Tagesziel. So wohl Ankes Genesung als auch die Illub kommen so gut voran, dass der Motor nach einer Stunde schon wieder abgestellt werden kann. Leichtmatrose Richard macht sich mit der Steuerung und dem Kreuzen hoch am Wind vertraut – läuft. Um 16:30h machen wir zufrieden in Kühlungsborn fest. Trotz anfänglicher Blässe ist Anke gut durch den Tag gekommen, Richard hat ein Gefühl an der Pinne entwickelt, Papa hat aus unserem bisherigen Törn Bericht erstattet und einige Tipps gegeben und ich hab mich gefreut. Neue Crew, neuer Vibe, alles läuft. Wenn der Skipper nichts zu tun hat ist es immer am besten ;-)

Papa hat seine Reisetaschen in Warnemünde im Hotel gelassen, so dass er uns nach einem letzten „Anlegeschnaps“ bald verlassen muss, um mit Bus und Bahn über Warnemünde wieder nach Stralsund und schließlich nach Hause zu finden. Für Anke, Richard und mich beginnt damit der letzte Abschnitt im Illub-Sommer 2016. Mal wieder freue ich mich bei gleichzeitiger Trauer. Jedes Kapitel hat seinen eigenen Charme und könnte länger dauern. Jedes mal ist es auch schön wenn es zu Ende geht. Jedes mal kommt etwas neues. Jedes mal weiß ich nicht recht wie ich mich fühlen soll. Jedes mal.












Sonntag, 21. August 2016

Sonntag 21. August
Wer saufen kann kann segeln!

Das hat uns zwar keiner gesagt, aber gefühlt haben wir das beide. Wir müssen heute Auslaufen! Ein zweiter „Notfall“ für den verlängerten Aufenthalt im Nothafen fällt uns einfach nicht ein. Hinzu kommt, dass mein Bruder Richard und Anke mit uns in Warnemünde verabredet sind. Also los!
Das Ziel um 9:00h auszulaufen erreichen wir nicht. Wir sind um 10:00h auf dem Wasser. Brote sind geschmiert und alles Seefest verstaut. Der Wind hat aufgefrischt 5Bf aus SW. Unser Kurs SW nach Warnemünde. Das bedeutet 6Stunden Motorfahren gegen den Wind oder Kreuzen. Ich entscheide mich für die Kreuz. Es hätte klappen können doch der Wind schläft ein. Um 14:00h starten wir den Motor und haben noch gut ¾ der Strecke vor uns. Weder Papa noch mir geht es sonderlich gut. Wir sind beide etwas angeschlagen vom gestrigen Abend und der hohe Seegang gibt einem nur wenig Gelegenheit zu relaxen. Selbst wenn man wie ich volles Vertrauen in das Schiff hat kann man einfach nicht liegen oder sitzen ohne sich festzuhalten oder anzubinden.
Ich finde das eine der nervigsten Situationen auf dem Wasser wenn der Wind einschläft, das Meer aber noch stundenlang die Energie in Form von Wellen speichert. In gewisser Weise ist das dann der Härtetest für meinen reparierten Motor und er besteht ihn ausgezeichnet. Wir erleben in dieser vierstündigen Motorfahrt noch ein Gewitter und einen der intensivsten Regenbögen, die ich je gesehen habe und fahren fast in ein altes Minenfeld aus dem Krieg. Um 18:00h machen wir erleichtert und müde im Hafen Hohe Düne in Warnemünde fest. Doch die Ruhe währt nicht lange. Ein kurzes Telefonat später ist klar das wir Richard und Anke besser von wo anders aufnehmen können. Also Leinen los und rüber in den alten Stadthafen von Warnemünde – dort ist es meiner Meinung nach auch viel schöner.

Das Treffen mit den Beiden ist eher kurz. Papa führt uns alle zum Essen aus aber sowohl er als auch ich sind nicht mehr zu viel zu gebrauchen, zwei lange Tage auf dem Wasser und eine lange Nacht stecken uns in den Knochen. Ab in die Koje!








Samstag, 20. August 2016

Samstag 20. August
Mal sehen wie weit wir kommenden

Um 9:00h laufen wir aus. Etwas später als alle Regatterschiffe. So vermeiden wir das Gedränge am Start und haben gleichzeitig einen herrlichen Anblick wir das Feld vor uns die großen bunten Spinnaker hisst und vor uns her fährt. Dann machen wir den Schwenk nach Westen und fahren gemütlich dem gut 30sm entfernten Warnemünde entgegen.
Um 11:30h ist Flaute. Nichts geht mehr. Wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen. Ich finde die Zeit günstig unter das Schiff zu Tauchen und nach meinem Propeller und dem neuen Bolzen zu schauen – alles super! Endlich ist das Thema erledigt!!! Als besondere Belohnung zeigen sich noch zwei Schweinswale, die sich bestimmt eine halbe Stunde in unserer Nähe aufhalten. Langsam packt mich meine Verantwortung als Skipper und ich starte den Motor – wir müssen ja irgendwo ankommen! Nach etwas mehr als einer Stunde Motoren frischt der Wind aber wieder auf und wir können weiter segeln. Um Warnemünde zu erreichen sind wir aber dennoch viel zu langsam. Zum Glück gibt es auf halber Strecke den Nothafen Darßer Ort. Der soll, außer in Notfällen, eigentlich nicht angelaufen werden aber bevor ich in der Nacht in wirkliche Not gerate ist das eine gerechtfertigte Notfall-Vermeidungsmaßnahme. Die Küstenwache und Polizei sehen unsere Not allerdings gelassen, kassieren moderate 13€ Liegegeld und die Sache ist erledigt.

Der Urlaubsstrand Prerow liegt nur 1,4km entfernt und Papa will sich den Campingplatz unbedingt ansehen. Mir ist das überhaupt kein Begriff aber „im Osten“ war das seiner Zeit wohl DIE Urlaubsdestination. Zurecht wie ich später sehe. Der Campingplatz liegt wirklich übertrieben schön in den Dünen und dem Angrenzenden Wald. Rundherum ist Naturschutzgebiet. In der Gangart meines alten Herrn ist es durchaus üblich einen Einkehrschwung zu halten, die lokale Gastronomie zu probieren und die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. In so fern bin ich nicht überrascht, das er vorschlägt etwas zu Essen. Während wir Essen hören wir wie eine Band Soundcheck macht und ich glaube Papa findet es wenig überraschend, dass ich die Band probehören und deren Atmosphäre mal auf mich wirken lassen will. So kommt eins zum anderen. Die Band kann zwar nicht recht überzeugen, die Lokation mitten im Wald aber schon. Diverse Begegnungen mit dortigen Urlaubern und Angestellten, lassen den Aben immer länger, lustiger und interessanter werden. Ich erlebe zum Beispiel meinen ersten „Ossi-Wessi-Rassismus“. Ein paar Halbstarke wollen mich provozieren und suchen Streit. Ich bin froh, dass es am Ende des Abends aber keinen gegeben hat, es ist vielmehr Ausgangspunkt für eine Interessante philosophische Diskussion zwischen meinem Vater und mir geworden. Klar das der Abend erst in den Morgendstunden zu Ende gegangen ist.









Freitag, 19. August 2016

Freitag 19. August
Ansegeln mit meinem alten Herrn

Der Wind kommt immer noch von Norden, so dass wir gegen an kreuzen müssen um unser Ziel Barhöft zu erreichen. Zum Glück hat weht es nicht so stark, so dass sich Papa wieder gemütlich an das Schiff gewöhnen kann und ich den Trimm der Segel so weit verfeinere, dass wir auf ca. 20° an die Windrichtung heran kommen (an einem anderen Tag soll sich zeigen, dass hier ganz besondere Bedingungen geherrscht haben oder ich mich eben doch vertan habe...). Hinzu kommt das die Strecke mit 7sm nicht sonderlich weit ist und wir Zeit haben. Um 12:00h laufen wir aus und sind um 15:30h schon wieder fest in Barhöft. Sommer, Sonne, Sonnenschein. Barhöft ist ein kleiner Hafen mitten im Naturschutzgebiet und macht sich bereit für eine Regatter morgen früh. Wir sind froh so früh eingelaufen zu sein, denn am Ende des Tages platzt der Hafen aus allen Nähten und die Schiffe drängeln sich förmlich mit Gewalt in Lücken, die eigentlich zu klein sind.

Leben und leben lassen
Auf der anderen Seite des Hafens liegt eine große und moderne X-Yacht auf der sich Jungfolk (wie ich – Ihr wisst Segler sind vorwiegend Rentner) zu einem feucht-fröhlichen Abend bereit macht. Bei uns am Steg sitzt auch eine junge Mannschaft, die nur die Regatter im Kopf hat und weiter oben auf einem Hügel liegt ein Hotel oder eine Kur-Anlage.

Ich finde auch, das der Musikgeschmack auf der X-Yacht zu wünschen übrig lässt aber die Atmosphäre ist durchaus gut. In meinen Ohren ist Lärm nicht gleich Lärm, der Vibe ist sehr entscheidend über die Nervigkeit der Geräuschkulisse. Es dauert nicht mal eine Stunde und aus dem Hotel schreit eine hysterische Stimme „Macht die verdammte Musik aus! Ihr Arschlöcher! Ihr Wichser!“ Die Intensität dieses Ausrufs überrascht und veranlasst die Regatter-crew spontan zu Applaudieren, das Partyboot bekommt nichts mit, ich muss schmunzeln und ein oder zwei Stunden später ist der Hafen ruhig und alle schlafen (vor 24:00h). Warum sich so aufregen?!?







Donnerstag, 18. August 2016

Donnerstag 18. August
Vor dem Wind nach Stralsund

Auch diesen Tag könnte ich langsam angehen lassen. Ich bin aber so ausgeruht und erholt, dass ich schon früh aufbreche. Der Wind steht günstig, so dass ich die schmalen Fahrwasser zwischen Rügen und Hiddensee gut entlangsegeln kann. Mitunter veringert sich die Wassertiefe schon 2m neben der Fahrwassertonne von 4m auf 0,2m! Bei diesen Windverhältnissen aber kein Problem. Nach nur vier Stunden mache ich fest in Stralsund.
Bis mein Vater heute Abend kommt ist jede Menge Zeit für ein gutes Mittagessen und ein Nickerchen. Als er dann kommt ist die Freude groß. Wir haben uns mal wieder etwas länger nicht gesehen und jede Menge zu erzählen. Die wichtigste Neuigkeit ist natürlich Sarah's und meine Verlobung. Und so geht ein kleiner Segeltag mit Fisch'n Chips, Getränk und und großer Freude zu Ende.













Mittwoch, 17. August 2016

Mittwoch 17. August
Hafentag auf Hiddensee


Bis Stralsund im Süden sind es gerade mal 8sm, so dass ich mir einen Tag Pause gönnen kann. Ich beschließe, dass neben putzen und klar Schiff machen eine Inselrundfahrt mit dem Fahrrad angesagt ist. Inseldörfer, Strand, Fischbrötchen, Häfen und Weideland – Hiddensee, eine schöne Insel. Ich bin ohne Handy oder Fotoaparat unterwegs gewesen von daher muss ich euch mit nur wenigen Bildern vertrösten.