Mittwoch, 19. Juli 2017

Heiligenhafen

Die Nacht war ruhig und erholsam. Einmal geht der Ankeralarm los, als die Windrichtung dreht. Das hatte ich aber schon erwartet, denn mit 12 Metern Toleranz im GPS, 2,5m Wassertiefe und ca. 15m Ankerkette war klar das das Boot ungefähr einen Radius von 10m zum „Schwojen“ hat. Ich fand es gut zu wissen, dass die Ankerwache funktioniert.
Ich starte den Motor und gehe Anker auf. Der Wind ist mit konstanten 2Bf deutlich „stärker“ als gestern, so dass ich die Windsteueranlage erfolgreich einsetzten kann. Unter Fehmarnsundbrücke steuer ich lieber selber. Das gute Wetter lockt die Segler und das Fahrwasser ist eng.

In der Hafeneinfahrt von Heiligenhafen werde ich von Markus abgefangen. Ich kapiere erst gar nicht was dieser Typ im Dingi da so auf mich zuhält. Will der mich rammen? Ich war abgelenkt von schönen Schiffen und der strategischen Überlegung wie weit ich wohl in den Hafen hineinsegeln kann und will. Aber dann erkenne ich Markus und er rammt mich tatsächlich! Allerdings planvoll und ich werfe ihm eine Leine zu, so dass er die Illub entern kann. Cool. Bei 4kn ohne Sicherheitsausrüstung in der gut befahrenen Hafeneinfahrt vielleicht eine „don‘t try this at home kids“ Aktion aber alles geht gut und lachen uns kaputt. Heiligenhafen ist ein riesiger und enger Hafen, so dass ich es sehr angenehm finde das Markus genau weiß wo wir hingehören. Neben seine Blue Phantom hat er eine Box reserviert.
Zack! Haben wir auch schon fest gemacht und das erste Bier geöffnet. Durch Markus lerne ich schnell einige der Lokalen Schiffe und Eigner kennen. Überall gibt es Dosenbier und nette Gespräche, so dass ich gegen 19:00h dringend auf das Hafenfest und etwas essen muss. Ich schaue noch kurz bei der Beatles Tribut Band, die heute Abend spielt, rein um dann den Rest des Konzertes aus meiner Koje zu hören.

11sm, 3h




immer wieder ein Highlight große Bauwerke zu Queren

Pirat/Lotse Markus...

...und unsere Schiffe

Warum zum Hafenbüro laufen wenn man auch fahren kann?


Dienstag, 18. Juli 2017

Auftakt

Der Segelsommer hat begonnen – endlich!
Ich habe mal gelesen, dass mein Lebensstil dem work-life-balance Model “Farmer” entspricht:
Neun Monate Ackern und Knechtschaft des Pfluges und ein Quartal Ferien und Leben von den Reserven. Ich muss gestehen das mir das Ende der neun Monate immer sehr lang entfernt scheint und ich die Richtigkeit meiner Entscheidung so zu leben in Frage stelle. Aber dann kommt der Sommer tatsächlich und ich darf rausfahren, die Meere erkunden und muss erst im Oktober wieder antreten – herrlich.

Im Vorfeld werde ich in der Regel zwei Dinge gefragt: “Wohin?” Und “Mit wem?”
Nach Osten und weit raus aufs Wasser. Bornholm und Gotland locken mich. Aber um ehrlich zu sein geht es mir hauptsächlich um das Segeln an sich. Ich habe erst ein paar Küsten und Häfen gesehen, so dass alles mehr oder weniger neu und die Reise Wert ist.
Als erste Etappe habe ich mir aber den Weg nach Westen ausgesucht um in Heiligenhafen Segelfreund Markus und die Bluephantom zu treffen, so wie meinen Musikerfreund Simon von Don Simon und das Monopol als Leichtmatrose an Bord zu nehmen. Außerdem ist dort gerade Hafenfest mit ein paar netten Bands – ganz gut als Auftakt, wie ich finde.



Es ist schön an Bord zu kommen und nicht alles im totalen Chaos anzutreffen. Die bisherigen Trips zur Illub in diesem Jahr haben einige Verbesserungen mit sich gebracht und das Schiff wartet im wesentlichen segelklar auf mich. Einmal kurz durchgeputzt, ein paar Insekten verjagt und frische Lebensmittel gebunkert und schon kann es losgehen. Der Wetterberich verspricht perfekte Bedingungen um Heiligenhafen von Wismar aus zu erreichen – übermorgen. Das ist mir zu lang! Ich werde morgen in aller Frühe in die Flaute und den Sonnenschein hineinfahren. Hauptsache raus aufs Wasser!

Am Ende verbringen ich knapp 12 Stunden in Fahrt wobei ich insgesamt 6 davon motore. Die 6 Segelstunden sind aber traumhaft. Es ist doch noch etwas Wind gekommen und so kreuze ich bei bestem Wetter langsam meinem Ziel entgegen.
Völlig erschöpft vom langen Tag an der Seeluft und in der Sonne gehe ich um 19:00h bei Großenbrode vor Anker. Die Nacht soll ruhig werden und ich habe überhaupt keine Lust die Illub zu verlassen.

35 sm, 12 h

 Auslaufen am Morgen :-)

Timmendorf auf Poel. Ein schöner Hafen aber ich bin trotzdem froh dieses mal daran vorbei fahren zu können.




 Die Marina von Grömitz...

...laase ich an Steuerbord liegen und werfe den Anker. Herrlich!



Donnerstag, 1. Juni 2017

Pfingsten

01-06 Juni

Die letzte Autofahrt zur Illub!
So habe ich mir das vorgenommen. Ob es wirklich funktionieren wird weiß ich selber noch nicht. Ist wirklich alles so weit in Schuss, dass ich die Werkzeugkiste zu Hause lassen und mit leichtem Gepäck anreisen kann?
Langsam fühle ich mich wie einer dieser Bootseigner, die Ihre Yacht als schwimmenden Schrebergarten Missbrauchen. Seit Oktober immer nur der Vereinshafen und höchstens 6 sm raus ans Ende der Wismarer Bucht. Das ist doch kein Segelleben!
Entschuldigung. Ich will mich nicht beschweren. Ich wohne in Köln und nehme Reparaturen und Umbauten am Schiff selbst in die Hand, da ist man schon mal ein wenig eingeschränkt.

Dieses Wochenende kommt meine Freundin Lea und Ihr Kumpel Max an Bord. Ich nutze die Zeit vorher um die Winsteueranlage zu motieren und andere Kleinigkeiten in Ordnung zu bringen. Es ist jedes mal ein kleiner Akt die Illub nach längerer Pause in einen ansehnlichen und funktionstüchtigen Zustand zu versetzen.

Kurz bevor ich meine Gäste am Schweriner Bahnof abholen möchte, springe ich noch einmal im Netto vorbei. Aus dem kleinen Boxenstop wird allerdings ein ein entsetzter Satz des Schreckens, der mich und uns noch das Wochenende über beschäftigen soll.
Als ich auf den Parkplatz einbiege bekomme ich mit wie sich zwei Gruppen lokaler, junger Männer mit ernsthaftem und inbrünstigen Hitlergruß von einander verabschieden. Der eine dreht sich herum und schlägt die Hacken zusammen und hebt seinen Arm quer über den ganzen Parkplatz.
Es ist verrückt. So eine beschissene Geste aber ich habe sofort Herzklopfen, einen trockenen Mund und Fantasien von Gewalt. Unfassbar! Zum Glück ist das aber auch der erste ernst gemeinte Hitler Gruß, den ich in meinen 36 Jahren in Deutschland erleben muss. Einmal mit solchen Gedanken infiziert, sehe ich nur noch Nazis im Netto. Man scheint sich zu kennen, zu akzeptieren und scheinbar eine Gesinnung zu Teilen. Trotz Einkaufsliste kann ich mich nur schlecht auf den Einkauf Konzentrieren und vergesse am Ende das Trinkwasser.
In meinem Kopf mache ich mir Sorgen. Meine Freunde sind beide dunkelhäutig und eindeutig eng mit dem Mutterkontinent unserer Spezies verwand. Lea will Ihren Geburtstag mit uns feiern und ich locke sie ins Nazi Nest nach Wismar.

Zum Glück geht es für uns direkt an Bord, so dass wir uns nicht auf den Straßen herumtreiben. Einmal an Bord ist alles im Lack. Auf dem Vereinsgelände, so wie dem Hafen auf Poel, den wir ansteuern, ist alles entspannt. Ich entdecke zwar dubiose Tattos an den Jungs von der Fischbude aber die Atmosphäre ist entspannt.

Mit meinen beiden Landratten an Bord, gestaltet sich das Segeln unspektakulär. Die 6 sm nach Timmendorf kennt die Illub auswendig und das einzige was "Aufregung" bietet ist der Umgang mit der Windfahne. Die funktioniert so weit ganz gut, wobei ich immer noch teste wie sie eingestellt werden muss abhängig von Kurs und Windstärke. Wenn ich das Verhalten meiner Windfahne mit den profi Modellen vergleiche habe ich den Eindruck, dass die Bewegungen der Anderen viel weicher ablaufen. Mein Ruder hingegen schlägt aus, verweilt und zentriert dann wieder. ...
So viel zur technischen Seite. Das ich bei meiner ersten Fahrt alleine auf Grund gelaufen bin, weil ich nur mit meinem Heck und der Windfahne beschäftigt war, erzähle ich lieber auch nicht. Windsteuerung bei schwachem achterlichem Wind funktioniert nämlich bekanntermaßen schlecht. Da ist mein System leider (noch) keine Ausnahme.

















Donnerstag, 13. April 2017

Windgesteuerter Ostertörn Teil 3

Heute Abend kommt die WG aus Köln. Sarah, Yasmin und ihr Freund Dennis kommen mich besuchen. Ich schaffe es so gerade eben alle Projekte abzuschließen und das Schiff aufzuklaren bevor ich um 21:00h erneut zum Schweriner Bahnhof aufbreche.

 Yasmin, Dennis, Captain Laila Crox und Sarah beim Begrüßungsgetränk nach langer Anreise.

 Es Funktioniert!!! 20 Minuten hält uns die Windfahne auf Kurs 330° bei 4Bf aus West, dann laufen wir im Hafen ein.


 Timmendorf auf Poel.


 Glücklicher Skipper. Ich bin begeistert. Dieses mal hat alles geklappt. Jetzt kann ich die Anlage abbauen und zu Hause endgültig fertig stellen. Bis dato hatte ich günstigere Materialien verwendet, weil ich dachte dass ich viel mehr und fundamentaler Verändern müsste. Die Anleitung ist jedoch absolut super (wenn auch der Stil und die Persönlichkeit des Verfassers nicht so recht zu meiner Art und Herangehensweise passen ;).
Jetzt wird auf Stabilität gebaut, alle Teile endgültig fixiert, wasserdicht gemacht und lackiert. Eine Leine zum einstellen der Kurse fehlt noch und dann ist alles komplett für die großen Überfahrten! ...naja ein bisschen Erfahrung muss ich noch sammeln bis ich dem Teil endgültig vertrauen kann aber ich bin Optimist :-D



Dennis und Yasmin beim Betrachten des Sonnenuntergangs 

 Auf dem Weg zurück ist leider wieder Flaute, so dass weder gesegelt, noch Windgesteuert werden kann. Wir versuchen natürlich trotzdem beides, laufen aber letztendlich die Hälfte der Strecke unter Motor. 




Montag, 10. April 2017

Windegsteuerter Ostertörn Teil 2

Es ist Zeit für Carsten den Heimweg anzutreten und ich bringen ihn zum Bahnhof nach Schwerin. Die Stadt gefällt mir gut und ich gehe der Konfrontation mit der Windfahne noch ein wenig aus dem Weg und schaue mir das schöne Städchen an.



Zurück an Bord lese ich nochmals in der Anleitung, suche mir ein größeres Gegengewicht für die Windfahne und nehme noch Anpassungen an der Leinenführung vor um die Reibung minimal zu halten.
Das Problem war ja, dass nur Extrempositionen und Extremkurse gefahren werden konnten. Im Prinzip hat alles funktioniert. Die Windfahne, also dasjenige was den Winkel des Schiffes zur Windrichtung 'fühlt' war nicht gut balanciert. Um das zu verbessern habe ich ein schwereres Gegengewicht (Flintstein) mit Klebeband befestigt und die Fahne nach Hinten gekippt.
Zum Anderen stimmt die Übertragung zwischen Windfahne und Pendelruder nicht. Das "Getriebe" ist also falsch eingestellt - Verhältnis 4:1 anstatt 1:2!

Nachdem ich das herausgefunden und verändert habe ist eigentlich wieder Zeit für eine Testfahrt. Leider habe ich mir selber ein Bein gestellt und parallel noch andere Projekte angefangen, so dass die Illub gar nicht auslaufen kann. Am wichtigsten war mir die Kühlwasserpumpe, die immer ein wenig Wasser leckt. Dadurch entsteht mit dem minimalen Ölverlust aus dem Wendegetriebe eine ekelhafte und giftige Plörre in der Bilge, die immer ein Entsorgungsproblem darstellt. Es gibt nämlich wenige Häfen, die so einen Giftmüll annehmen. Oft wird man zur Schafdstoffsammelstelle geschickt, die nicht selten viele Kilometer weit vom Hafen entfernt ist. Das ist auf großer Fahrt natürlich ein Problem... Jetzt ist die Pumpe endlich dicht und den Tropfen Getriebe Öl pro Tag fange ich mit einer Socke voll Katrenstreu auf. Die muss dann hoffentlich nur ein oder zweimal in der Saison entsorgt werden.

Hier eine kleine Übersicht über die laufenden Reparaturen und Verbesserungen:
- Genoa genäht (hatte einen Riss)
- Kühlwasserpumpe ausgebaut und abgedichtet (zwei Versuche: Quicksteel und Epoxid Harz, letzteres hält jetzt auch dicht)
- Bilge und Backskisten gereinigt
- Altöl und Bilgenwasser entsorgt
- Kuchenbude genäht

 Abgewinkelte Windfahne, so dass sie stabiler steht.

 Quicksteel. Eigentlich super. Stahl als Paste, luftgetrocknet und anschließend auf 1600 Grad erhitzt (Bunsenbrenner) soll es sehr stabil sein. Leider ist und bleibt es wasserlöslich, so dass es für meine Kühlwasserpumpe total ungeeignet war und nur 10min dicht gehalten hat.
Epoxid Harz hingegen hält und ist mein neuer Lieblingswerkstoff :-) 

Das Chaos auf der Baustelle, auch ein Grund warum sich die Testfahrt verzögert.

Alte Wohnwagenvorzelte, günstig bei Ebay geschossen, liefern das Material für die Kuchenbude.

Es regnet, deshalb ziehe ich mich in die Halle zurück und baue meine Segelmacherwerkstatt dort auf. 

  22 Meter Nähte mit der Hand! Meine Finger tun trotz Segelmacherhandschuh am Ende ziemlich weh. Dafür passt die Kuchenbude gut, hält dicht und erweitert den trockenen Lebensraum auf der Illub enorm. Besonders wichtig wenn wir ab morgen zu viert sind. Denn der Wetterbericht verheißt uns unbeständiges und nasses Wetter.




 Teile der Windsteueranlage mit dem Rest Epoxy von der Wasserpumpe behandelt. Diese steht hinten links auf dem Tisch und hat noch die Schablone aus Klebeband um das marmeladenartige Expoxidharz in Form zu halten.