Mittwoch, 13. Juli 2016

Mittwoch 13. Juli
Eine neue Einbauküche

Die ersten zwei Stunden des Tages sind sonnig, hell und sommerlich. Ab 9:00h fängt es an zu schütten wie aus Kübeln. Mir ist das egal. Nadine, die Bürokraft der Schreibers, war so freundlich mir Ihr Auto anzubieten. Ich habe angenommen und mache mich auf den Weg in den Baumarkt. Sie arbeitet nur bis 12:00h von daher ist meine Deadline klar und als ich um 10 Minuten vor zwölf angerauscht komme lacht sie nur und meint: „Was machen Männer drei Stunden im Baumarkt!?“ Ich fand die Zeit ging schnell rum. Immerhin kaufe ich nicht nach Liste – naja auch – sondern ich plane überlege und Baue im Geschäft mit den Materialien, die mir so begegnen.
Das Hauptprojekt des Tages ist die Pantry, wie die Küche an Bord heißt. Eine neue Arbeitsplatte wird über dem Herd installiert und die bestehenden Elemente werden weiß lackiert. Es soll alles heller, besser abwischbar und sauberer werden.
An Deck montiere ich einen neuen Handlauf. Mein erstes mal, das ich mit Löchern im Deck zu tun habe und mit extra Dichtungsmasse schrauben muss. Ist aber halb so wild. Das gibt mir Mut morgen das Ankergeschirr zu installieren. Dafür muss ich immerhin vier dicke fette Löcher in den Bug bohren!





Die Stelle für den neuen Handlauf











Dienstag, 12. Juli 2016

Dienstag 12. Juli

Meine Hände! Ich habe ja schon öfter mal gearbeitet aber 12 Stunden Motoröl und Schraubendrehen halten meine Hände scheinbar nicht durch. Total zerkratzt und ein wenig entzündet pochen sie mit Muskelkater. Dabei weiß ich doch aus der Ergo-Ausbildung wie wenige Muskeln tatsächlich in der Hand sind. Es regnet immer wieder in kurzen heftigen Güssen. Ich bin zwar schon morgens am Schiff, komme aber nicht in die Gänge. Zu nass, zu viel Zeug, zu unaufgeräumt, zu erschöpft von Gestern. Ein bisschen frustriert verziehe ich mich in mein Zimmer und Lese. JAKI ein Buch was ich vor 15 Jahren schon einmal gelesen habe und wieder sehr genießen kann.
Zum Glück klart es am Nachmittag auf und ich kann das Schiff aufräumen und die gesamte Ausrüstung auslagern und in eine Plane einschlagen, so dass ich mich jetzt frei Bewegen kann und noch etwas hinbekomme:

- Positionslichter neu verkabelt
- Backbordfenster abgedichtet
- Ankergeschirr vorinstalliert

- Materialliste geschrieben und vermessen

Der Kran bei den Schreibers

...work in progress


Montag, 11. Juli 2016


Montag 11. Juli
Motor-Diplom

Heute will ich's wissen. Heute muss ich's wissen. Heute muss was passieren. Wenn heute nichts passiert, dann schaff ich das vielleicht nicht. Heute geht’s los!

Es ist 5:30h und ich kann nicht mehr schlafen. Draußen ist alles noch taufeucht und ich versuche mit Frühstück und einem dänischen Ausrüstungskatalog Zeit zu schinden, bis es etwas trockener ist. Trotzdem bin ich um 6:30h an Bord und fange an meinen Antrieb zu zerlegen.
Ich dachte am Sonntag noch: Andi von Volvo hätte sich vertan als er meinte man müsse die komplette Antriebswelle ziehen und das Getriebe zerlegen um das Wellenendlager auszutauschen, aber es sollte sich zeigen, dass er recht hat. Naja, nicht um sonst sind Volvo Schiffsdiesel sein Beruf. Ich verbeiße mich in die Aufgabe. Es bleibt ja nichts anderes. Andi und seine Kollegen wollen nicht. Die zwei anderen Motoren-Firmen lehnen auch ab. Die Maschine sei zu alt, zu unsicher alles wieder zusammengesetzt zu kriegen, keine Ersatzteile auf dem Markt usw. WEICHEIER!
Das schwierigste ist für mich herauszufinden und durch das Fett und Öl zu sehen wo ich schrauben muss, wo hämmern und in welcher Reihenfolge. Was ist über die Jahre einfach nur festgebacken, wo habe ich den zweiten vor dem ersten Schritt gemacht und verbiege eventuell etwas oder breche ein Teil ab. Immer wieder bin ich der Verzweiflung nahe und weiß nicht weiter. Dann gebe ich mir einen Ruck wische Öl ab, schau noch einmal genau auf meinen Bauplan und auf das Gerät und gehe mit noch mehr Gewalt zur Sache. Hilft ja nichts.

Das Getriebe und der sichtbare Teil der Propellerwelle

Verbissen in meine Aufgabe

Der Bauplpan

Nach Entfernung des Getriebegehäuses

Das Getriebegehäuse

Mit einem Spannschlüsse für Trennscheiben versuche ich fehlendes Spezialwerkzeug zu ersetzen. Leider ohne Erfolg. Am Ende blockiere ich den Motor und schraube gegen an. Sicherlich keine günstige Art die Welle zu lösen. Es wird sich herausstellen, dass ich bei diesem Gewaltakt auch eine leichte Unwucht verursache...

Geschafft! Die Welle ist raus und die Teile des Wendegetriebes geordnet. 

Der Motor ohne Welle

Leider konnte ich aus Unerfahrenheit nicht verhindern das mir die Welle auf den Boden fiel als ich sie nach vergeblichen Stunden endlich lösen konnte. Vielleicht ist auch hierbei die kleine Unwucht entstanden. Die Plane hatte ich leider auch nicht groß genug ausgelegt, so dass ichgut putzen musste um ja kein "Sand ins Getriebe" zu bekommen


...und alles nur um dieses *##§*# Wellenendlager auszutauschen!


Nach ca. 7 Stunden habe ich es Geschafft und meinen Propeller, die Welle und das Getriebe zerlegt! Gut. Jetzt kenne ich auch den Teil des Schiffes genau. Das eigentliche Einsetzen des neuen Wellenendlagers ist so trivial, dass es eigentlich keine Erwähnung verdient. Andi, mein Telefonjoker von Volvo, kommt vorbei und versorgt mich mit Marine-Fett, Flüssigdichtung und Motorspüli (Flüssigdichtung muss auf fettfreier sauberer Oberfläche aufgetragen werden). Wir philosophieren ein wenig und ich bekomme einen Schulterklopfer und eine Pause bevor es wieder ans Zusammensetzen geht. Dabei hätten mir Markierungen (Edding) an Zahnrädern und Hebeln sehr geholfen um das Getriebe wieder richtig einzustellen. So musste ich ausprobieren. Naja auch das war gegen Abend geschafft. Ich bin sehr glücklich und stolz diesen Brocken hinter mir zu haben. Jetzt muss die Illub nur noch den Praxistes bestehen.

Zack! Da ist es neu. :-)



Sonntag, 10. Juli 2016

Sonntag 10. Juli
Aller Anfang ist schwer

Heute will Sarah nicht trödeln. Die Heimfahrt ist lang, es gibt zu Hause noch Arbeit bevor die Woche los geht und Sarah möchte unter Wegs noch einen Stop bei Ihrer Schwester in Osnabrück einlegen. Gegen 10:00h winken wir uns „good bye“ und da steh' ich nun.
Ich gehe zur Illub, versuche mich kurz am Ausbau des Propellers und gebe wieder auf. Trotz der langen Liste bekomme ich keinen Anfang zu fassen.

OK. Dann halt nicht. Ist ja auch Sonntag, morgen kann ich mit Motorspezialisten telefonieren und mich mit den Jungs von der Werft beraten. Ich verziehe mich mit meinem Buch und etwas zu Essen auf mein Zimmer.

 "Jaki" von A. A. Attanasio für ein bisschen Seefahrer- und Südseefeeling


Samstag, 9. Juli 2016

Samstag 09.Juli
„Wie jetzt?!? Ich dachte wir könnten ausschlafen!“

Sarah, meine liebe Partnerin und Unterstüzerin meiner Extravaganzen, nimmt sich die Zeit mich und das Material nach Büddelsdorf auf die Rader Insel zu fahren. Dort habe ich für die ersten paar Nächte ein Zimmer gemietet. So lange das Auto verfügbar ist will ich unbedingt Besorgungen machen und nach diesem verflixten Froststopfen suchen. Das bedeutet leider auch keinen relax-Samstag mit spätem Aufstehen und Trödelei, sehr zu Sarahs Enttäuschung. Trotzdem dass ich bis zum Kranen 14 Tage Zeit habe, lassen mir die offenen Fragen keine Ruhe. Wenn ich wüsste was ich mache bzw. wie es geht dann wäre das vielleicht halb so schlimm, aber mit der Ungewissheit kann ich keinen Tag still halten.


Kurz vor Ladenschluss Samstag Mittag finden wir Gerald Pfeffer von der Kieler Bootsschau. Er scheint ein kompetenter Mann zu sein, hatte aber 10min. vor dem Wochenende keine richtige Lust mehr irgendwelche obskuren old school-Teile für mich zu suchen. „Miss noch mal nach Junge! 26mm oder 36mm gibt es aber 45mm?!? Das kann so nicht sein!“ 

Unser Zimmer "Ebbe" im Winterlager Schreiber und die streikende Leichtmatrosin.

Freitag, 8. Juli 2016

Freitag 08. Juli
Endlich geht es los

Ich bin ganz gespannt, aufgeregt, frustriert, ein bisschen ängstlich, voller Vorfreude und happy das der Sommer endlich beginnt. Dass ich die nächsten 14 Tage noch an Land verbringen muss versuche ich mir irgendwie schön zu reden: „Ist ja ganz praktisch. So kann ich alles auf Vordermann bringen und die Zeit gut nutzen. Und das Wellenendlager muss eben gemacht werden; alles andere wäre unvernünftig.“

Die Liste ist Lang:
- Wellenendlager austauschen
- Frostprofen erneuern
- Positionslichter neu verkabeln
- Backbordfenster abdichten
- Sprayhood nähen
- Handlauf an Backbord erneuern
- Seereling verbessern
- Ankergeschirr instalieren

- Was mir noch so einfällt wenn ich da bin
- Kettenkasten verkleiden
- Kloregal bauen
- „Arbeitsplatte“ über dem Kocher
- Pantry streichen
- V-Berth Koje Decke streichen
- Holzteile an Deck schleifen und streichen
- Niedergang leichtgängiger machen (Klappe hakt)


Donnerstag, 26. Mai 2016

Prolog 2016

Seit dem ich 2015 die erste Fahrt unternommen habe, ist mir viel klarer geworden was es heißt einen Segelsommer zu verbringen. Was es aber heißt sein Boot zu beanspruchen, weit weg zu fahren und das Schiff danach nicht wieder aufzusuchen bis der nächste Sommer kommt wusste ich noch nicht.

Jetzt schon. Es rächt sich. Die Illub zeigt mir das ich lange nicht da war und mich um nichts gekümmert habe. Als ich Weihnachten auf Zuruf der Werft einmal kurz gucken war, schien alles OK. Die Schreibers vom Winterlager meinten meine Plane sei durch den Herbstwind nicht mehr in Ordnung. Ich hab dann etwas nachgespannt aber im Grunde war noch alles bestens.

Im April sollte es ins Wasser gehen. Ich nahm mir Pinsel und Farbe mit um ein paar Holzteile und vorrangig das Unterwasserschiff zu streichen. Neue Deckel für die Backskisten habe ich dann auch gleich gebaut. Beim Streichen des Rumpfes habe ich dann entdeckt wie lose meine Propellerwelle im Wellenendlager war und habe den Krantermin abgeblasen. Rumpfdurchläse, also Löcher im Boot, sind immer eine besonders sensible Stelle und mit besonderer Sorgfalt zu behandeln. Also habe ich seither versucht Telefonisch und mit Hilfe von Fachbetrieben die Sache in den Griff zu bekommen. Leider ohne Erfolg. Motor und Getriebe sind so alt, dass sich niemand heranwagen möchte. Am Ende geht etwas kaputt und es gibt keine Ersatzteile auf dem Markt.
Keine Ersatzteile - Denkste! 
Der nette Schwede Bengt Ake hat alles was das Herz begehrt:-)


Im Winterlager, neue rote Farbe für das Unterwasserschiff  




Die lose Propellerwelle